Referenzbeispiele

Energetische Mittelstandsberatung, Bäckerei und Konditorei

Beratung: 2017

Energieoptimierung Bäckerei und Konditorei

Aufgrund hoher Energieverbräuche für Strom, Erdgas und Fernwärme wurde auf Wunsch des Geschäftsführers die in der Kölner Innenstadt liegende Bäckerei und Konditorei auf Energieeffizienz untersucht.

Besonderes Augenmerk wurde auf die ausreichende Dämmung der Gebäudehülle sowie Effizienz der Anlagentechnik (Heizung, Kühlung, Beleuchtung, Lüftung, Produktion) gelegt. Bei der Bewertung der energetischen Situation spielte der Einsatz Erneuerbaren Energien (Photovoltaik, Kraft-Wärme-Kopplung u.a.) ebenso eine Rolle wie die Optimierung der Prozessabläufe (Abwärmenutzung, Kältekonzept u.a.). Die Untersuchungsergebnisse zeigten, dass die Einsparpotenziale im Unternehmen auf Seiten der Dämmung gering sind. Mit Ausnahme der Kellerdecke rechnete sich eine Dämmung der Gebäudehülle energetisch unwesentlich und wirtschaftlich überhaupt nicht. Energieeinsparpotenziale lagen vielmehr in einer verbesserten Anlagentechnik, insbesondere im Austausch der bestehenden Kompaktleuchtstofflampen und Halogenspots durch energiesparende Leuchtmittel (LED) sowie in der Nutzung der Abwärme (Quelle – Senke). Maßnahmen zur Nutzung von Abwärme lagen bspw. im Austausch der alten Backöfen gegen neue  Backöfen mit integrierter Wärmerückgewinnung. Die Wärmerückgewinnung ermöglicht es, dass nach dem Beschicken und Beschwaden ein Teil der Rauchgase als Abwärme wiedergenutzt und der Temperatursturz in der Backkammer abgebremst wird ohne, dass der Brenner läuft.

Eine weitere Maßnahme zur Senkung der Stromkosten lag in der Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Flachdach des Anbaus. Die Größe der PV-Anlage hat sich dabei nach dem Strom-Lastprofil des neuen Anlagensystems (u.a. Beleuchtung) zu richten. Im vorliegenden Fall ist die solare Ausbeute trotz ausreichender Verfügbarkeit an Fläche und Südausrichtung begrenzt. Grund hierfür ist, dass zum einen – aufgrund angrenzender Gebäude – eine erhöhte Verschattung vorliegt, d.h. nur in der Mittagszeit kann die Sonnenenergie genutzt werden; zum anderen steht die Sonne nur dann zur Verfügung, wenn sie kaum gebraucht wird, d.h. in der Regel wird in den frühen Morgenstunden gebacken und weniger in der Mittagszeit. Allerdings würden große Batteriespeicher und eine Süd-Ost-Ausrichtung der PV-Module den Strombedarf beim Backprozess in den frühen Morgenstunden deutlich reduzieren und somit zur Energie- und Kosteneinsparung beitragen.

Eine ebenfalls interessante Variante zur Senkung der Energiekosten war die Nutzung von Kraft-Wärme-Kopplung mittels Einsatz eines Blockheizkraftwerkes (BHKWs). Als kritische Größe für den Einsatz eines BHKWs ist die Wärme (Erdgas und Fernwärme) – denn im Sommer kann schnell ein Wärmeüberschuss entstehen – Daher wurde die Wärme als Maßstab für die Auslegung des BHKWs herangezogen. Ergebnis der Simulation ergab ein wärmegeführtes BHKW mit einer thermischen Leistung von 20 kW und einer elektrischen Leistung von 44 kW. Dieses BHKW ist erdgasgeführt und ließe sich leicht auf dem Flachdach des Unternehmens installieren. Die Zeichen standen gut, dass die Anschaffung eines BHKWs eine realistische Option für das Unternehmen ist. Auch die Wirtschaftlichkeit sprach für den Kauf eines BHKW, d.h. bereits nach fünf Jahren würde sich die Investition des BHKWs amortisieren. Dennoch wurde die Idee des Einsatzes von Kraft-Wärme-Kopplung aus Gründen der technischen Umsetzbarkeit verworfen, d.h. die Unwirtschaftlichkeit der Variante lag weniger im Kraftwerk selbst als im Brennstoff Erdgas. Da das Erdgas im Unternehmen fast ausschließlich Backöfen, Klimaanlagen sowie Gasherde (Küche) betreibt, erfordert die Verbrennung Temperaturen von bis zu 300 °C (v.a. bei Backöfen). Diesen Temperaturhub kann ein BHKW noch nicht erbringen. Ein Zusatzbrenner wäre hier erforderlich gewesen.

Energieaudit, Seniorenwohnheim

Durchführung: 2018

Energieaudit Seniorenwohnheim

Zur Durchführung eines Energieaudits sind nach § 8 Energiedienstleistungsgesetz diejenigen Unternehmen verpflichtet, die mehr als 250 Mitarbeiter haben oder mindestens 50 Millionen Euro Umsatz bzw. 43 Millionen Bilanzsumme im Jahr erzielen. Das Seniorenwohnheim mit seinen an unterschiedlichen Standorten betriebenen 500 Appartements fiel aufgrund seiner Mitarbeiteranzahl von mehr als 250 in das Raster. Es galt, die verschiedenen Standorte auf ihre Vergleichbarkeit und ihren jährlichen Energieverbrauch zu untersuchen. Ziel war es, gleichartige Standorte zusammenzufassen bzw. Standorte mit weniger als 10 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auszugrenzen. Dieses sogenannte Multi-Site-Verfahren dient dazu, das Energieaudit nur an einer ausgewählten Anzahl von Standorten durchzuführen, um somit die Verhältnismäßigkeit und Repräsentativität zu wahren.

Nach Anwendung des Multi-Site-Verfahrens verblieb das Zentralgebäude des Seniorenwohnheims als Hauptgegenstand der energetischen Untersuchung. Ein besonderes Anliegen des Geschäftsführers war es, nicht nur der Auditpflicht nachzukommen, sondern auch durch ein wirtschaftlich intelligentes Maßnahmenkonzept den Primärenergiebedarf für das Zentralgebäude zu senken. Um dies zu erreichen, wurde zum einen die Gebäudehülle (Betonkonstruktion mit umlaufenden Balkonen und innenliegenden Fenster- und Türelementen aus Zweischeiben-Isolierverglasung, Flachdach aus Bitumen) als auch die im Gebäude installierte Anlagentechnik (Heizung, Kühlung, Beleuchtung, Lüftung u.a.) auf seine Energieeffizienz untersucht. Wichtig war in dem Zusammenhang auch die umfassende Kenntnis über die Nutzung wesentlicher Angebote und Dienste im Zentralgebäude, um ggf. Rückschlüsse für technische, organisatorische und wirtschaftliche Effizienzpotentiale zu ziehen. Der Einsatz Erneuerbarer Energien (v.a. Photovoltaik) fand im Auditbericht ebenso Berücksichtigung wie auch die Optimierung der Prozessabläufe (Abwärmenutzung, Kältekonzept u.a.).

Pioneers into Practice, Climate-KIC

Teilnahme: 2014

Pionieers into Practice 2014 Logo

Das EU-Programm bietet Fachleuten aus Forschung, Politik & Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung Hospitanzen in ganz Europa an, in denen im Rahmen von zwei Projekteinsätzen mit je vier Wochen nachhaltige Geschäftsmodelle entwickelt werden. Der Austausch von Erfahrung und Wissen ist der Schlüssel des Pioneers into Practice Programms. Die Ideen und Konzepte, die in dem Programm entwickelt werden, schaffen in ganz Europa eine neue Generation von Experten, Unternehmern und Forschern. Begleitet wird das Programm durch interdisziplinäre Workshops zu den Themen Innovations- und Transformationsmanagement.

Ich selbst habe das Programm im Jahr 2014 durchlaufen. Mein nationaler Projekteinsatz erfolgte bei der Partnerinstitution Provadis – Partner für Bildung und Beratung GmbH – im Industriepark Höchst in Frankfurt am Main. Dort erstellte und bewertete ich Energiekennzahlen auf Grundlage der Hauptenergieträger Dampf, Strom, Rein- und Trinkwasser, der Gebäudenutzfläche, der die Gebäude nutzenden Personen und der Energiekosten. Ergebnis der Kennzahlenbildung war eine bessere Transparenz der Energieflüsse in den Gebäuden der Provadis und die daraus resultierende bessere Vergleichbarkeit der energetischen Anlagen. Begleitet wurde der Einsatz durch ein Pilotprojekt, d.h. am Beispiel einer Zu- und Abluftanlage wurde mittels eines Werkzeuges zur energetischen Analyse und Vergleichbarkeit von Anlagen „UMAS“ (Umwelt-Management-Analyse-System) der Stromverbrauch für Laboratorien im Gebäude erfasst. UMAS bildet durch automatische Übernahme der Zählerdaten aller möglichen Energieträger und deren Aufzeichnung und Auswertung die Grundlage für ein erfolgreiches Energiemanagement. Das schließt eine exakte Analyse der Energieströme durch die Aufzeichnung von Temperaturen, Stellungen der Regelventile und der Sollwerte sowie der Zählerdaten mit ein.

Mein internationaler Projekteinsatz erfolgte bei der Energieagentur in La Ribera (Valencia) im Partnerland Spanien. Dort untersuchte ich die landwirtschaftliche Situation Vor-Ort dahingehend, Biomasse (Getreide-, Reisstroh) für die Herstellung von Pellets energetisch zu nutzen. Dabei stellte für mich die Einbeziehung des europäischen Pelletmarktes zur Schaffung neuer Strukturen eine besondere Herausforderung dar.